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Über Bestellerprinzip und Immobilienpreise (Interview)

Andreas Hubert, stellvertretender Vorsitzender des IVD Süd und Geschäftsführer vom Immobilien Center Aalen und Heidenheim stand uns Rede und Antwort im Interview. Einerseits erzählt er uns von seiner Arbeit im IVD Süd, aber auch politische Themen wie die Mietpreisbremse, das Bestellerprinzip und hohe Immobilienpreise kamen zur Sprache. Seine Angst ist, dass die Vermieter die Maklergebühr auf den Mieter umlegen, und dieser dann langfristig mehr zahlt.

In der heutigen schnelllebigen Zeit kann das Internet Fluch oder Segen sein. Andreas Hubert spricht sich für ein "ja, aber" beim Einsatz des Internets als Absatzmarkt aus. Die schnelle Antragstellung der Mietkautionsbürgschaft im Internet sieht er aber als sehr positiv an.

Herr Hubert, was macht der IVD Süd in seiner alltäglichen Arbeit? Welche Leitlinien und Ziele gibt es?

Andreas Hubert: Als Verband der Immobilienberater, Makler, Verwalter und Sachverständigen steht der IVD mit seinen Mitgliedern in der Verantwortung, am nachhaltigen Funktionieren des Immobilienmarktes mitzuwirken. Dabei setzt sich der Immobilienverband IVD für eine effektive Förderung und die Sicherung freiheitlicher und wirtschaftlich erfolgreicher Berufsausübung seiner Mitglieder ein.

Das Mietpreisniveau in den baden-württembergischen Großstädten steigt laut IVD-Institut seit Jahren kontinuierlich an. Was halten Sie von der Einführung der Mietpreisbremse, die voraussichtlich im Jahr 2015 kommen soll?

Andreas Hubert: Was das Thema „Mietbremse“ angeht, ist anzumerken, dass die Kappungsgrenzen für Mietbrennpunkte gerade erst auf 15 % reduziert wurden; jetzt wird versucht diese erneut zu Lasten der Vermieter deutlich nachzujustieren. Hierbei wurde nicht einmal abgewartet, wie sich die bereits im Frühsommer 2013 abgesenkte Kappungsgrenze auf dem Markt bemerkbar macht. Wer Mietern, aber auch denjenigen die eine bezahlbare Wohnung zum Kauf suchen, wirklich helfen will muss an den Kern des Problems gehen und das ist und bleibt die viel zu geringe Wohnungsproduktion speziell in den Ballungsräumen. Was hier jedoch angedacht ist, ist letztendlich ein populär klingendes Mangelverteilungsprogramm, das Investoren noch mehr abschrecken wird und dem Wohnungsmarkt nachhaltig schadet.

Als ein gewisser Ausgleich war übrigens im Wahlkampf und in den Koalitionsverhandlungen versprochen worden, dass die degressive Abschreibung wieder eingeführt werden soll. Die Wiedereinführung der degressiven Afa wäre sinnvoll gewesen, nicht zuletzt deshalb, weil die damalige Abschaffung sehr negative Auswirkungen auf die Genehmigungszahlen neuer Wohnungen hatte. Leider wurde die degressive AfA unter Finanzierungsvorbehalt gestellt und in der Endphase der Koalitionsverhandlungen komplett gekippt. Vor dem Hintergrund der angedachten Verschärfungen ist zu befürchten, dass immer weniger Investoren neue Wohnungen schaffen und gleichzeitig ist eine weitere Gefahr, dass weniger in Wohnungsbestände investiert wird, was zu einem deutlichen Qualitätsverlust führen dürfte. Dies alles kann auch nicht im Interesse der Mieter sein.

Zum Bestellerprinzip: Denken Sie, dass der Berufsstand Makler vom geplanten Bestellerprinzip profitieren könnte, da so „schwarze Schafe“ aussortiert werden?

Andreas Hubert: Dies ist eine weitere kontraproduktive Entwicklung, bei der faktisch versucht wird, dass nur noch der Vermieter die Provision für die Wohnungsvermittlung tragen kann und nicht mehr der Mieter; hier findet nur bedingt positive Aussortierung schlechter Marktteilnehmer statt. Es ist letztlich ein populistischer Eingriff in die Vertragsfreiheit und es stellt sich darüber hinaus die Frage, ob dieser notwendig ist. Letztendlich ist die Höhe der Mieten bereits reglementiert und je nach Marktsituation werden in Deutschland unterschiedliche Systeme angewandt. Oft zahlt der Mieter die Provision, in Gegenden mit schwacher Nachfrage übernimmt sie der Vermieter und dann gibt es immer wieder Fälle, in denen sich Mieter und Vermieter die Kosten für den Makler teilen - eine durchaus faire Lösung. Nach der angedachten Regelung wäre eine solche Provisionsteilung letztendlich auch unmöglich.

Es ist nicht nachvollziehbar, warum dies jetzt dem Aushandlungsprozess des freien Marktes entrissen werden soll. Vielfach werden jetzt Vermieter versuchen, die Kosten für den Makler in der Miete einzupreisen und letztendlich werden dann diejenigen, die längerfristig mieten, mehr bezahlen.

Wie ist es um die Bereitschaft der Vermieter bestellt, die Maklercourtage zu bezahlen? Gehen Sie davon aus, dass durch finanzielle „Umverteilungen“ schließlich doch die Mieter zur Kasse gebeten werden?

Andreas Hubert: Durchaus könnte dieser Effekt in der ein oder anderen Region Einzug in die Kalkulation der Miete halten. Jedoch geht es weniger um die Umverteilung der Kosten als um die professionelle Argumentation dem Vermieter gegenüber, warum ein Makler benötigt wird. Genau hierbei trennt sich allerdings die Spreu vom Weizen und den meisten Maklern fällt echte Dienstleistung schwer.

Welche Neuerungen, die das Internet in der letzten Zeit hervorgebracht hat, haben für maßgebliche Veränderungen in der Maklerbranche gesorgt?

Andreas Hubert: Das Internet ist zu einem interessanten zusätzlichem Absatzkanal geworden; wir müssen allerdings aufpassen, dass die Portale ihre Möglichkeiten nicht zu stark zu Lasten der Immobilienbranche einsetzen um es einmal vorsichtig auszudrücken.

Inwiefern profitieren Immobilienmakler und -verwalter von einer Mietkautionsbürgschaft?

Andreas Hubert: Aufgrund der momentan starken Nachfrage auf den Mietmärkten ist häufig eine schnelle Entscheidung gefragt und hierbei nutzt der Makler und Hausverwalter die im Vergleich zur normalen Kaution wesentlich schnellere Abwicklung und zu gleich die Bonitätsprüfung des Mieters. Dies wiederum beschert dem Vermieter weniger Arbeit mit der Verwaltung des Kautionssparbuches und ist für die Profis ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber dem Wettbewerber.

Nicht nur in Berlin erzielen Immobilien im Augenblick Höchstpreise. Auch in Bayern und Baden-Württemberg werden Rekordsummen für Wohnraum erzielt. Wie lange wird sich diese Aufwärtsspirale Ihrer Meinung nach noch fortsetzen? Ist ein Ende in Sicht?

Andreas Hubert: Die Zahlen unseres IVD-Markforschungsinstitutes zeigen auf einigen wichtigen Märkten ein leichte Dämpfung der Anstiege. Die Wirtschafts- und Finanzkrise sorgte in den vergangenen Jahren für eine deutlich gestiegene Dynamik auf dem sowieso traditionell begehrten Immobilienmarkt durch die historisch niedrigen Zinsen sowie Zurückhaltung bei den anderen Anlageformen kam es zu einem regelrechten Boom auf dem Immobilienmarkt vor allem in den Groß- und Universitätsstädten Süddeutschlands.

Vielen Dank für das Interview!

Von Orlando Mittmann | Letzte Aktualisierung: 30. Juli 2014

Kategorie: Interview, Mietpreisbremse, Wohnungsmarkt, Partner

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