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Mieten in Berlin – Teil 3: Von Zweckentfremdung und Verboten

Wenn die Grenzen zwischen Wohnen und Gewerbe verschwimmen

In Berlin wird ja oft geklagt, dass die Mieten deshalb so hoch sind, weil private Vermieter nur auf den Profit schauen. Hierzu hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung just eine interessante Studie herausgebracht.

Demzufolge machen mehr als die Hälfte aller Vermieter faktisch gar keine Gewinne mit ihren Liegenschaften – viele sogar Verluste, wenn man die Wertentwicklung der Immobilie, die allgemeinen Preissteigerungen und die Inflation miteinrechnet. Das gilt wohlgemerkt für Mietwohnungen, weil sich hier die Mietpreise auch nicht beliebig erhöhen lassen.

Gewerberecht geht am Menschen vorbei

Anders sieht das bei den Gewerbeimmobilien aus, denn hier gibt es keinen Mieterschutz. Dies wird dann zum echten Problem, wenn in diesen Objekten Menschen wohnen, so wie in Berlin - Weißensee. Der neue Eigentümer eines Hauses wollte plötzlich statt 5,40 Euro einen Mietpreis von 11,60 Euro pro Quadratmeter haben. Die Begründung: Die Weißenseer Integrationsbetriebe seien ein Gewerbebetrieb. Rechtlich zwar richtig, doch weil die WIB eine Wohngemeinschaft für psychisch Kranke betreibe, sollte sie nicht wie ein Anwaltsbüro oder ein Praxisbetrieb behandelt werden: „Wenn wir als gewerblicher Betrieb eingestuft werden, heißt das, dass wir keinen Schutz haben, wie man den normalerweise als Mieter hat. Das ist vielleicht für Büros nicht so schlimm, aber gerade psychisch erkrankte Menschen sind darauf angewiesen, dass sie ein sicheres Zuhause haben.“, so Andreas Schimmer, Geschäftsführer der Weißenseer Integrationsbetriebe.

Sanierung, Verkauf, Profit

Hinterhof mit Garten, Flügeltüren, Stuck – selbst im Randbezirk Weißensee lassen sich solche Häuser teuer vermieten oder verkaufen. Die Wohngemeinschaft der WIB kann hier deshalb nicht länger bleiben. Das Sozialamt übernimmt höchstens 7,- Euro pro Quadratmeter Miete. Alleine leben können die Bewohner allerdings auch nicht, denn mit ihren Erkrankungen haben sie schlichtweg Angst davor und bekommen Panik allein schon bei dem Gedanken. Die Wohngemeinschaft braucht sich gegenseitig, denn einer passt immer auch mit auf den anderen auf. 18 Betreuer kümmern sich derzeit Tag und Nacht darum, dass die Bewohner ihr Leben in Ordnung halten. Das fängt beim Zimmer aufräumen an und hört bei Konflikten oder Selbstmord-Absichten noch lange nicht auf. Alle Bewohner haben ganz verschiedene und doch so schwierige Lebenswege beschritten und nach Jahren hier endlich eine Gemeinschaft, ein Zuhause gefunden. Hier in der betreuten WG kamen alle wieder auf die Beine und auf die richtige Bahn. Die jetzige Kündigung ist für alle ein großer Schock: „Das ist für uns alle unser Zuhause hier! Die Situation macht uns alle total unsicher und sie können sich garnicht vorstellen, was ein Umzug oder ein Auseinanderreißen unserer Gruppe psychisch und physisch für uns bedeutet.“, so ein Bewohner der WG.

Träger von Wohnprojekten müssen geschützt werden

Die WIB wird nun ein Haus kaufen, in das er und seine Mitbewohner nun einziehen können. Doch so etwas darf Einrichtungen wie der WIB kein zweites Mal passieren, sonst muss die gemeinnützige Gesellschaft ihre Tätigkeit einstellen, wie Andreas Schimmer bestätigt: „Konkret wünsche ich mir, dass Träger, die solche Wohnungen verantworten, geschützt werden. Und zwar genauso geschützt werden, wie wenn jemand eine Wohnung privat anmietet.“ Das hieße, dass sie nicht mehr als Gewerbebetrieb behandelt werden. Dafür müsste das Bürgerliche Gesetzbuch geändert werden. Es würde sich lohnen, denn allein in Berlin leben rund 22.000 Menschen in solchen Wohngruppen.

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Von Katharina Abejon-Perez | Letzte Aktualisierung: 24. September 2014

Kategorie: Miete & nebenkostenabrechnung, Wohnungsmarkt

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