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Mieten in Berlin – Teil 4: Goldesel energetische Sanierung

Energetische Sanierung gleich monetäre Sanierung?

Die Künstlerkolonie Berlin ist eine Wohnsiedlung im Süden des Berliner Ortsteils Wilmersdorf, dessen Zentrum der Ludwig-Barnay-Platz bildet. Die Siedlung wurde von den damaligen Interessenvertretungen der Künstler und Schriftsteller ab 1927 errichtet und sollte denen ein Zuhause sein, die nicht so viel Einkommen haben.

Bis heute sind viele Mieter hier in der Situation, wie die Rentnerin Eva Zimmermann. Sie zog vor 7 Jahren hierher, weil die Miete in ihrer alten Wohnung zu teuer wurde. Doch auch hier erhielt sie die Ankündigung, dass das Haus modernisiert werden solle und die Kaltmiete um ein Drittel steigen sollte, was einer Mieterhöhung von rund 90,- Euro entspräche (von 270,- auf 360,- Euro). Das könne sie sich nicht leisten, erzählt sie: „Für mich hätte das bedeutet, dass ich wieder irgendwo hinziehen müsste. Aber dann hätte ich schon garnicht mehr gewusst, wo ich hätte in Berlin hingehen sollen, damit ich noch die Miete bezahlen kann. Es gibt ja nichts mehr, was sich Menschen mit geringeren Einkommen noch an Miete leisten können.“

Wärmedämmung ad absurdum

Statt auszuziehen, versicherte sich Eva Zimmermann der Unterstützung ihrer Nachbarn, ging zum Mieterverein und suchte das Gespräch mit dem Eigentümer. Das ist in diesem Fall die Deutsche Annington, die mit 250.000 Wohnungen Deutschlands größter privater Anbieter ist. Die Gesellschaft wollte mit der Dämmung der Mauern Energie einsparen. Ullrich Schiller rechtfertigt die Maßnahme seiner Gesellschaft mit dem Argument, dass das Unternehmen schauen muss, wie es am besten die Energiewende möglichst verträglich gestaltet. Und dies bedeute nun einmal, dass Gebäude modernisiert werden müssen. Deshalb sollten die Außenfassaden mit einer Wärmeputzdämmung versehen werden. Sachkundige Bewohner jedoch fanden heraus, dass die Wände so dick sind, dass das gar nicht nötig ist. Thomas Mazura, Bewohner und Architekt hierzu: „Sehr gut kann man das eigentlich sehen, dass der Aufbau fast überall gleich ist, nämlich vom zweiten bis zum vierten Geschoss. Die Wände sind mit 40-42cm Stärke ausreichend dick und im Erdgeschoß sind sie sogar noch etwas dicker. Aus diesem Grunde ist eine Wärmedämmung nicht sinnvoll, da es sich hier auch um Ziegelmauerwerk und kein Misch-Mauerwerk handelt.“

Jetzt hat man sich bewegt und es werden nur noch die maroden Fenster ausgetauscht. Das ist wirklich nötig und auch für die Bewohner völlig in Ordnung, sodass sich die angekündigte Mieterhöhung nun in einem Rahmen von 20,- Euro bewegt.

Einsicht ist der erst Schritt zur Besserung

Ulrich Schiller von der Deutschen Annington bleibt jedoch dabei - er als Bauingenieur schätzt ein, dass die Energieeinsparung mit der Dämmung deutlich höher gewesen wäre, dies aber mit der Mieterschaft so nicht gegangen wäre. Das Unternehmen ist bemüht, im Konsens mit seinen Mietern zu modernisieren und im Falle der Künstler-Kolonie haben sie darauf verzichtet.

Notwendige Modernisierung ja, aber auf die Möglichkeiten der Mieter Rücksicht nehmen. Das sollte eigentlich grundsätzlich das Modell auch bei anderen Eigentümern, Investoren und Entwicklern sein – ist es aber nicht. Es ist eigentlich nur dem Umstand zu danken, dass sich alle beteiligten Mieter zusammengesetzt und ihr Experten-Knowhow eingebracht haben. Außerdem haben sie die Bereitschaft zum Kampf mitgebracht und sie haben sich die Expertise rechtlicher Art eingeholt. Das alles zusammen hat dazu beigetragen, dass hier eine zu teure Modernisierung abgewendet werden konnte.

Eva Zimmermann und ihre Mitstreiter sind nun beruhigt. Vorläufig wird keiner von ihnen umziehen müssen.

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Von Katharina Abejon-Perez | Letzte Aktualisierung: 24. September 2014

Kategorie: Miete & nebenkostenabrechnung, Wohnungsmarkt

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