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Mieten in Berlin – Teil 5: Das Mietshäusersyndikat

Das Mietshäusersyndikat - eine Alternative zum Mietenwahnsinn

Vermieter sind auch Investoren, die unternehmerisch denken müssen und mit ihren Immobilien Umsätze und Gewinne erwirtschaften müssen, da sie auch für die nötigen Instandhaltungen verantwortlich sind. Das gibt es die "Guten" und es gibt auch die "Schwarzen Schafe". Es gibt aber auch ganz andere Wege und Initiativen, die sich diesem Trend entziehen wollen. Zum Beispiel das Mietshäusersyndikat in einem Plattenbau in Berlin-Lichtenberg.

Es ist Teil der ehemaligen STASI-Zentrale in Berlin - Lichtenberg. Seit ein paar Wochen wird hier umgebaut. Aus den alten Verhörzimmern sollen gemütliche Wohnungen werden. Die Bauherren sind eine Mietergemeinschaft und das Mietshäusersyndikat. Wir haben mit den zukünftigen Bewohnern des Gebäudes in Lichtenberg gesprochen und uns erklären lassen, wie das System der Mietgemeinschaften und des Mietersyndikats funktioniert.

Kein Profit mit Wohnraum

Das Mietshäusersyndikat ist eine nicht profitorientierte Gesellschaft mit 87 Standorten in Deutschland. Ihr Ziel: Möglichst viele Häuser in den Händen von Mietergemeinschaften, möglichst wenige in der Hand von Investoren, die damit Geld verdienen wollen: „Das Syndikat ist eine rein ideelle Organisation, die langfristig dafür sorgen will, dass die Mieten nicht steigen und dass die Häuser aus diesem kapitalistischen Wohnungsmarkt etwas herausgenommen werden.“, erklärt Bernhard Hummel, Architekt des Mietshäusersyndikats.

Schon in der Bauphase haben die Mieter Mitspracherechte, was zum Beispiel die Raumaufteilung, Zimmergrößen sowie Bad- und Küchenanforderungen angeht. Weil niemand an den Mieten verdienen will, bleiben sie langfristig stabil – in Lichtenberg ergibt dies 4,70 Euro nettokalt pro Quadratmeter: „Unsere Mieten sind wesentlich günstiger als beim Investor, da im Gegensatz zum Investor bei uns eben keine 20-30% Rendite draufgeschlagen werden.“, ergänzt Hummel.

Das Beste am Modell Mietshäusersyndikat ist, dass nicht jeder, der einziehen will, eigenes Kapital aufbringen muss, wie Andreas Neumann, Mieter des Mietshäusersyndikats erklärt: „Man muss als Einzelperson kein Eigenkapital mitbringen, wie beispielsweise bei einer Genossenschaft. Man kann sozusagen mit Nichts einziehen. Allerdings verpflichten sich alle Mitglieder der Projektgruppe dazu, Privatdarlehen aus dem eigenen Umfeld zu akquirieren. Das heißt konkret, Direkt- bzw. Kleinstkredite von Bekannten, Freunden oder der Familie erhält.“

So funktioniert das Prinzip des Mietshäusersyndikats

Eine zukünftige Hausgemeinschaft bildet gemeinsam mit dem Mietshäusersyndikat eine Gesellschaft. Gemeinsam werden sie Eigentümer eines Hauses. Das Syndikat achtet darauf, dass das Haus nur bewohnt, nicht aber in Privateigentum umgewandelt wird. So entsteht auch für kommende Generationen Wohnraum zu bezahlbaren Preisen zur Verfügung. Sicher, reich ist bzw. wird hier niemand, aber „sozialreich“ wird man. Freunde und Verwandte gaben insgesamt 1 Million Euro unterschiedlich hoher Kleinkredite – je nach Vermögen und finanziellen Möglichkeiten. Die Kleinkredite bietet die Hausgemeinschaft der Bank als Eigenkapital an – in der Regel rund 30% der Gesamtkosten. Der Rest wird, wie sonst auch, durch Bankenkredite finanziert.

Keiner der zukünftigen Bewohner hat genug Geld, um ein eigenes Haus zu bauen oder eine Eigentumswohnung zu kaufen. Bei allen ist auch das Interesse daran garnicht vorhanden, denn sie finden, dass Wohnungen zum Wohnen und nicht zum Profit machen da sind. Es soll eben für Menschen mit wenig Geld die Möglichkeit, in ein Haus zu ziehen zu können. Ist das Haus fertig, werden die Bankkredite von der Gesamtsumme aller Mieten gemeinsam zurückgezahlt. Zuerst die Bankkredite, dann die Kleinkredite. 10 Cent pro Quadratmeter bekommt das Mietshäusersyndikat, damit es das nächste Hausprojekt begleiten kann.

Der Mühe Lohn – in sicheres Zuhause

Wer mitmachen will, braucht wahrlich viel Zeit und die Bereitschaft, sich einzubringen. Einfache arbeiten wie malern und gärtnern erledigen die Bewohner selbst, denn das spart Geld. Kleinkredite einsammeln, Zinsbescheinigungen schreiben, sich schlau machen, welche Art von Heizung in das Haus passt oder woher der Strom kommen soll – zwischen 5 und 20 Stunden pro Woche kümmern sich die Mieter um ihr Haus. Werden neue Anschaffungen für das Haus benötigt, werden diese in einem Plenum diskutiert, ob sie anteilig von den Wohnungen bezahlt werden oder ob sie von der GmbH gekauft werden und dann auf die Miete umgelegt werden.

Der Lohn der ganzen Mühe ist ein sicheres und bezahlbares Zuhause für lange Zeit. In Berlin und in Brandenburg haben sich immerhin schon über 600 Menschen in 22 Häusern des Syndikats engagiert und brauchen sich für lange Zeit keine Gedanken mehr um die eigenen 4 Wände zu machen.

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Von Katharina Abejon-Perez | Letzte Aktualisierung: 24. September 2014

Kategorie: Miete & nebenkostenabrechnung, Wohnungsmarkt

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