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Unser Umzug - ein Erfahrungsbericht

Umzug

Von Orlando Mittmann | Letzte Aktualisierung: 23. Oktober 2015

Die Flucht aus dem Wedding

Kennst du deine Nachbarn?

In Berlin ist man seinen Nachbarn nicht wirklich nahe. Man grüßt sich höflich und versucht, sich sonst zu ignorieren. Von manchen Nachbarn bekommt man gar nichts mit, was ich persönlich ganz gut finde. Von der Nachbarin schräg unter uns sehe ich immer nur die schöne rote Katze aus dem Fenster schauen. Mehr weiß ich von der Mieterin nicht. Das Pärchen aus Polen im Dachgeschoss hat zwei wirklich liebe Hunde, der 50-jährige Rocker im Erdgeschoss mit seinem lauten Motorrad und dem Golden Retriever ist immer sehr freundlich und als der 89-jährige Ehemann von der Nachbarin über uns starb, haben wir sogar eine Karte geschrieben. Das ist wohl mehr Kommunikation, als die meisten in einem Berliner Mehrfamilienhaus normalerweise erleben.

Manche Nachbarn fallen dafür umso mehr auf. Unsere Nachbarn gegenüber, eine vierköpfige Familie mit Migrationshintergrund, streiten gerne, viel und laut. Das ganze wechselt sich ab mit dem gefühlt dauerhaft laufenden Staubsauger. Die Tür der 2-Zimmer-Wohnung steht meistens offen, sodass man vieles hautnah mitbekommt, auf das man lieber verzichten würde. Am Anfang haben wir der Familie bei Anträgen für Kindergeld, Sozialhilfe oder anderem geholfen, was aber irgendwann die normale Nachbarschaftshilfe überstieg.

Erst vor kurzem ist eine andere Familie, deren Mitglieder ständig laut schreiend durchs Treppenhaus liefen, Türen knallten und Müll überall einfach fallen ließen (und ja, ich meine jedes Familienmitglied, nicht nur die Kinder), ausgezogen. Bei jedem Auszug von einem der Nachbarn war die Angst größer, dass eine noch schrägere Familie dort einzieht.

Diese und weitere ähnlich anstrengende Mietparteien in unserem Haus haben uns dazu gebracht, über unsere Wohnsituation nachzudenken. Wollen wir wirklich weiterhin neben diesen Familien leben?

Die Entscheidung: Wir ziehen um

Wie viele Menschen ihre Wohnung aufgrund der Nachbarn kündigen, ist ungewiss. Wir haben den Schritt gewagt und es einfach getan. Seit wir die Kündigung abgeschickt haben, bin ich viel entspannter. Die Nachbarn streiten sich leiser, die stetige Abendparty mit lautem Gequatsche fällt mir nicht mehr auf, und selbst der alte Russe, der sich im Hof schreiend mit seiner Pflegerin unterhält, ist irgendwie erträglicher.

Wir erzählen all unseren Freunden, dass wir nun auf Wohnungssuche seien. Die Reaktion ist stets dieselbe: Alle sind erstaunt, dass wir schon gekündigt haben, obwohl noch keine neue Wohnung in Sicht ist. Wir bleiben optimistisch: Zwei junge Menschen mit Vollzeitjobs und ohne Kinder – da finden wir schon schnell etwas.

Das ist jetzt tatsächlich ein ziemlich spießiger Satz aber: Freunde haben sich gerade eine Eigentumswohnung gekauft und ihre alte wunderschöne Wohnung in Steglitz wird frei. Nach einer kurzen Besichtigung der Wohnung ist uns sofort klar: Hier wollen wir leben! Sehr sogar. Die Dachgeschosswohnung mit Balkon ist wirklich ein Traum. Nur die neue Warmmiete steht noch nicht zu 100% fest. Wir bibbern bis wir die Whatsapp-Nachricht erhalten: 100 Euro mehr. War ja klar, dass die Miete erhöht wird! Keine Überraschung also.

Da die aktuellen Mieter mehrere Nachmieter vorschlagen sollen, gibt es Konkurrenz: Eine Ärztin mit Partner will sich ebenfalls bewerben. Das bedeutet für uns: Schnelligkeit punktet! Entsprechend groß ist der Zeitdruck beim Zusammensuchen und Organisieren aller erforderlichen Unterlagen für die Bewerbungsmappe.

Welche Unterlagen benötigt man für eine Wohnungsbewerbung?

Der letzte Umzug ist für uns schon eine Weile her. Mit welchen Unterlagen bewirbt man sich heutzutage eigentlich beim Maklerbüro? Die Antwort kommt sofort:

  • Mieterselbstauskunft
  • Kopie des Personalausweises
  • Einkommensnachweis der letzten Monate
  • Mietschuldenfreiheitsbestätigung vom aktuellen Vermieter
  • Nachweis einer Haftpflichtversicherung
  • Schufa-Auskunft

Die Mieterselbstauskunft wird meist zur Verfügung gestellt, man kann aber auch einen Vordruck aus dem Internet verwenden. Einmal jährlich ist die Beantragung einer Schufa-Auskunft kostenlos. Es kann jedoch bis zu acht Wochen dauern, bis diese tatsächlich im Briefkasten liegt. Wenn man die Auskunft schnell benötigt, sollte man diese also lieber kostenpflichtig online beantragen. Viele Vermieter und Verwalter akzeptieren auch die Bonitätsprüfung, die beim Abschluss einer Mietkautionsbürgschaft durchgeführt wird. Der Nachweis einer Haftpflichtversicherung ist sicherlich bei den meisten Bewerbungen keine Pflicht, macht aber einen guten Eindruck.

Mietschuldenfreiheitsbestätigung. Was tun, wenn die Hausverwaltung nicht mitspielt?

Das Erlangen der Mietschuldenfreiheitsbestätigung vom aktuellen Vermieter stellt für uns eine unerwartete Herausforderung dar. Sicher, wir haben immer pünktlich unsere Miete gezahlt. Aber um mit der Hausverwaltung in Kontakt zu treten, muss man eine der beiden telefonischen Sprechstunden (montags und donnerstags, 9 bis 12 Uhr) abpassen. Während dieses kompletten Zeitraums ist die Leitung besetzt. Durchgehend. Ich bin mir nicht ganz im Klaren darüber, ob da tatsächlich telefoniert wird oder… nun gut. Kurzum: ich kann niemanden erreichen. Auf meine Mails mit der Bitte um eine Mietschuldenfreiheitsbescheinigung bekomme ich nur eine automatische Meldung, dass die Mitarbeiterin im Urlaub sei. Also schreibe ich die Urlaubsvertretung an – ohne Erfolg. Nach zwei Tagen ohne Rückmeldung der Hausverwaltung und mit der Konkurrenz durch die Ärztin mit Partner im Genick muss ich zu extremeren Mitteln greifen: also wähle ich einfach nacheinander jede online angegebene Telefonnummer der Hausverwaltung, die ich finden kann. Immer wieder. Bis ich ein Freizeichen höre. Tatsächlich, die Hausverwaltung existiert! Kurz darauf werde ich zur Urlaubsvertretung durchgestellt, die sich sogar an meine Mail erinnern kann.

„Ja genau, haben Sie heute geschickt, oder?“ - „Ähm, nein, vorgestern.“

Bei einer solch dringenden Anfrage hätte ich eine Antwort innerhalb von 24 Stunden erwartet, aber immerhin versichert mir die freundliche Dame, dass sie mir die Mietschuldenfreiheitsbestätigung sofort fertig mache und zuschicke. Diese müsse dann am nächsten Tag da sein. Ich sehe auf meine Uhr. Es ist 15 Uhr am Mittwoch. Wie soll das denn möglich sein? Nun gut, ich lasse mich überraschen. Und tatsächlich steckt am nächsten Tag die Mietschuldenfreiheitsbestätigung bei uns im Briefkasten. Ein Hoch auf die Post!

Die Wohnungsbewerbung

Somit haben wir alle Unterlagen zusammen. Ich will diese eigentlich per Einschreiben verschicken, doch dann melden sich Zweifel: Was, wenn die Ärztin die Unterlagen vorbeibringt und so einen Vorteil hat? Macht ja schon einen besseren Eindruck, wenn man das alles in Papierform zur Verfügung stellt. Die Öffnungszeiten des Büros liegen genau so, dass wir sie während unserer Arbeitszeit nicht wahrnehmen können. Auf die Mails beim Makler, ob man die Unterlagen in den Briefkasten werfen könne, reagiert auch keiner. Bei Google Streetview sehen wir, dass das Ladenlokal des Maklers einen Briefschlitz aufweist.

Also fahren wir am nächsten Morgen vor der Arbeit zum Maklerbüro. Schlaf ist ja auch völlig überbewertet. Der Briefkasten, den wir entdeckt haben, ist nur Zierde. Verdammt! Die Tür zum Hausflur, wo voraussichtlich die Briefkästen sind, ist verschlossen. Also warten wir, bis jemand das Haus verlässt. Man hat ja sonst nichts zu tun.

Nach 10 Minuten verlässt jemand das Haus. Wir springen schnell in den Hausflur und… wo sind die Briefkästen? Weit und breit nichts zu sehen. Wir laufen den Hausflur entlang und finden Briefkästen, allerdings ohne den Namen des Maklers. Entmutigt folgen wir dem Flur bis zum Ende. Im Hinterhof gibt es schließlich weitere Briefkästen. Hier steht zwar der Nachname des Maklers, aber nicht, ob es sich um den Firmenbriefkasten handelt. Mangels Alternativen nutzen wir diesen Briefkasten und hoffen, dass es der richtige ist. Nun heißt es Daumendrücken.

Am nächsten Tag erhält die aktuelle Mieterin unserer neuen Wohnung Besuch vom Makler. Er erzählt ihr, dass er eine Bewerbung erhalten habe. Handelt es sich hierbei um unsere? Wir rufen beim Makler an und fragen nach. Seine Assistentin weiß von nichts und will uns auch keine genaue Auskunft geben. Sie erklärt uns, dass eine Zusage, sofern wir die Wohnung bekämen, voraussichtlich nächste Woche komme. Es bleibt uns also wieder nur übrig, weiter zu hoffen.

Die Zusage und was danach passiert

Endlose drei Tage später klingelt mein Telefon. Es ist die Assistentin des Maklers: „Ich hoffe, ich habe gute Nachrichten für Sie. Sie haben den Zuschlag für die Wohnung erhalten.“

Wirklich? Wir haben die Wohnung? Wir ziehen um? Wir haben gegen die Ärztin gewonnen? Jaaaa!! Wie cool. Ich bin völlig aus dem Häuschen. Die Assistentin freut sich mit: Das sei aber auch eine tolle Umgebung! Sie gehe da öfters mal shoppen. Ich bin irritiert über ihre offene, emotionale Art, die ich so aus der Immobilienbranche nicht kenne. Ich glaube, ihre Freude über unsere Freude ist tatsächlich ernst gemeint.

Wir vereinbaren einen Termin zur Unterschrift des Mietvertrages. Die Mietkaution sollen wir doch bitte in bar mitbringen. In bar? Ja, das Bargeld (und wir reden hier von viel Bargeld) werde dann an die Hausverwaltung weitergegeben. In bar? Verrückte Welt.

Ich erkundige mich, ob ich nicht auch eine Mietkautionsbürgschaft hinterlegen könne. Nach kurzer Erklärung der Vorteile werde ich in die Warteschleife geschickt. Kurz darauf bekomme ich die Zustimmung, dass wir eine Mietkautionsbürgschaft hinterlegen können. Ich bitte darum, dass mir der Entwurf des Mietvertrags möglichst schnell per Mail zugeschickt werde. Diesen benötige ich, um die genaue Höhe der Miete und die Adresse der Hausverwaltung bei der Antragstellung der Mietkautionsbürgschaft angeben zu können. Einen Tag später habe ich noch immer keinen Entwurf. Dafür erhält mein Freund einen Anruf der Assistentin: Sie fragt ihn, ob wir in der neuen Wohnung eine Dusche oder Badewanne hätten. Er ist irritiert und überlegt kurz, ob sich noch etwas am Mietpreis ändern könnte, wenn er eine Falschangabe macht. Er entscheidet sich für die Wahrheit und bittet erneut um eine schnelle Zusendung des Entwurfs.

Wir setzen uns ein Zeitlimit: Wenn die Maklerassistentin sich nicht bis halb vier meldet, rufen wir nochmal an. Um Punkt halb vier kommt eine Mail mit dem Mietvertragsentwurf. Ob sie sich das gleiche Zeitlimit gesetzt hat wie wir? Egal, jetzt schnell Antrag stellen. Das ist tatsächlich in drei Minuten erledigt und zack habe ich auch schon die Zusage per Mail im Postfach. Zwei Tage später liegt die Original-Bürgschaftsurkunde im Briefkasten. Genial, die Vertragsunterzeichnung kann zustande kommen.

Am besagten Termin überreichen wir der Assistentin die Bürgschaftsurkunde. Sie fragt, wie das nun mit dem Bargeld laufe. Immer diese Fixierung auf Bargeld! Ich erkläre ihr nochmals, dass kein Bargeld fließe, solange es keinen Schaden gebe. Die Frau hat das Produkt offensichtlich noch gar nicht verstanden und murmelt etwas von „super Produkt“. Wo genau sie nachgefragt hat, um mir die Zusage zu geben, traue ich mich nicht zu fragen.

Nach der Unterschrift teilt sie uns mit, dass der Mietvertrag uns dann per Post zugehe. Neue Zweifel auf unserer Seite: Hoffentlich akzeptiert die Hausverwaltung nun auch wirklich die Mietkautionsbürgschaft. Weiterhoffen.

Wir schreiben unseren Freunden, den aktuellen Mietern unserer neuen Wohnung, dass wir den Mietvertrag unterschrieben hätten. Zu wann, kommt die Rückfrage. Na wie besprochen zum 01.09. Ihre Antwort beunruhigt mich: „Ok.. dann hoffen wir, dass wir bis dahin raus sind.“ What now? Ok, tief durchatmen, wird schon alles klappen...

Gruselig: Vampire, Drohungen und Makler

Der Kampf um die Kündigungsbestätigung

Wir haben also unsere Wohnung gekündigt. Einfach so. Das Einschreiben mit dem Kündigungsschreiben ist laut der Sendungsverfolgung der Post bei der Wohnungsverwaltung angekommen. Spannend, dass man aus Datenschutzgründen weder Empfänger noch Absender erfährt. Im Fall der Fälle: Wie würde ich denn dann nachweisen, dass ich die Kündigung geschickt habe?

Wir haben jedenfalls noch nichts von der Hausverwaltung gehört. Ich rufe an und frage nach der Kündigungsbestätigung. Die Frau bestätigt mir den Eingang der Kündigung, die Kündigungsbestätigung wolle sie dann alsbald fertig machen. Eine Woche später haben wir immer noch keine Kündigungsbestätigung. Ich frage erneut nach und erhalte eine weitere Mietschuldenfreiheitsbestätigung, aber immer noch keine Kündigungsbestätigung.

Nachmietersuche mit erhöhter Schwierigkeit

Wird sich die Miete erhöhen?

Da wir außerdem möglichst zügig mit der Suche nach einem Nachmieter anfangen wollen, um nicht doppelt Miete zu zahlen, will ich beim Maklerbüro nachfragen, wie hoch die Miete für unsere Nachmieter sein wird. Dort hänge ich in einer gefühlt endlosen Warteschleife. Nach 15 Minuten gebe ich auf und verwende erneut den Trick, jede online auffindbare Telefonnummer anzurufen. Alle, ja wirklich alle Leitungen sind besetzt. Was für tüchtig arbeitende Menschen! Nach einer Stunde erhalte ich einen Rückruf von einer Mitarbeiterin. Sie teilt mir mit, wer für mich zuständig sei und verspricht mir, denjenigen um einen Rückruf zu bitten. Gleichzeitig schaut sie nach der neuen Miete für unsere Wohnung. Da die Kündigung von der Hausverwaltung jedoch noch nicht eingetragen worden ist, kann der Eigentümer dem Makler noch keine Informationen zu einer eventuellen Mieterhöhung geben. Ein Teufelskreis.

Weitere Steine im Weg der Nachmietersuche...

Uns wird empfohlen, anhand der aktuellen Miete unsere Nachmietersuche zu starten. Es gibt allerdings ein paar Bedingungen: Der Nachmieter muss einen Wohnberechtigungsschein (WBS) nachweisen, aber die Miete darf nicht vom Amt bezahlt werden. Es kommen also nur Studenten und Paare mit geringem Einkommen in Frage.

Was ist ein WBS?

Der Wohnberechtigungsschein berechtigt Personen zum Einzug in eine Wohnung, die mit öffentlichen Mitteln gefördert wird (umgangssprachlich auch Sozialwohnung). Hierzu ist ein Antrag notwendig, bei dem verschiedene Dokumente gebraucht werden, u.a. der Antrag für den WBS, eine Einkommenserklärung und Meldenachweise. Anhand der Einkommensnachweise wird dann ermittelt, ob das Haushaltseinkommen die jeweils geltende Einkommensgrenze nach Wohnraumförderungsgesetz übersteigt. Jedes Bundesland hat dabei andere Einkommensgrenzen festgesetzt.

Zum Einkommen zählen

  • Bruttoeinkünfte
  • BAföG und Berufsausbildungsbeihilfe
  • Weihnachts- und Urlaubsgeld
  • Alters- und Berufsunfähigkeitsrenten.

Nicht zum Einkommen zählen:

  • Kindergeld
  • Wohngeld
  • Leistungen der Kranken- und Pflegeversicherung
  • steuerfreie Arbeitnehmer-Sparzulage

Servicedokument Einkommensgrenzen für den WBS nach Bundesländern (pdf):

Hier herunterladen

Auch die Nutzungsgröße, die einem zusteht, wird durch den WBS festgelegt: Eine Person hat bspw. Anspruch auf einen Wohnraum mit bis zu 45 Quadratmetern; drei Personen dürfen auf bis zu 75 Quadratmetern in vier Räumen wohnen.

Unsere Wohnungsanzeige und deren unerwartete Folgen

Am Abend nach unserem Gespräch mit der Hausverwaltung schießen wir Fotos von unserer Wohnung und erstellen auf Anraten einer Kollegin bei ebay Kleinanzeigen ein Angebot für potentielle Nachmieter – ohne Hausnummer und ohne Handynummer. Es dauert nicht lange und die ersten Anfragen trudeln ein.

„Warum nicht Amt?“ oder „WBS aber kein Amt? Ihr bescheuert!“

„Suche dringend Wohnung. Zu sofort?!“

Die orthographischen Fehler wurden im Hinblick auf den besseren Lesefluss entfernt. Es folgen zahlreiche weitere Anfragen von Personen ohne WBS oder mit Unterstützung vom Amt sowie Beschimpfungen verschiedenster Art. Glücklicherweise bekommen wir aber tatsächlich auch zielführende Anfragen, sodass wir am darauf folgenden Sonntag vier Pärchen zur Wohnungsbesichtigung begrüßen können. Dazu gehören zwei Mädels, die sich mit folgender Anfrage an uns gerichtet hatten: „Wir sind zwei Studentinnen (und ein Paar!) und haben Interesse an Ihrer Wohnung.“ Warum die Betonung der Beziehung so wichtig ist, habe ich nicht verstanden. Eingeladen haben wir die beiden trotzdem.

Der Besichtigungstermin

Inzwischen hat sich der für uns zuständige Makler gemeldet. Er möchte unsere Wohnung auch gerne mal sehen. Wie passend denke ich und lade ihn für den Besichtigungstermin am Sonntag ein.

Seine Antwort im Wortlaut: „Vielen Dank für das Angebot, aber ich nutze mein Wochenende gern anders. :) Ich bin nächsten Donnerstagnachmittag in der Anlage, vielleicht haben Sie dann Zeit.“ Ich antworte ihm, dass er gerne am kommenden Donnerstag um 19 Uhr vorbeikommen kann, vielleicht habe er ja dann Zeit. Die Mail bleibt unbeantwortet. Komisch.

Da wir immer noch keine Kündigungsbestätigung und damit keine Information zur Höhe der Miete für unsere Nachmieter bekommen haben, müssen wir hoffen, dass wir die Bewerber auch ohne konkrete Zahlen und vor dem Hintergrund einer möglichen Mieterhöhung von unserer Wohnung überzeugen können. Der Sonntag naht und tatsächlich tauchen die vier Pärchen auf. Drei von ihnen sind begeistert und wollen sich bewerben. Es wird gefragt, warum wir ausziehen. Das haben wir natürlich vorher besprochen: weil wir zurück nach Steglitz wollen. Ob man was von den Nachbarn mitbekommt? Ach, nur das Übliche.

Hoffen auf Bewerbungen

Drei potentielle Bewerber also. Zwei Tage später frage ich per Mail beim Maklerbüro nach, ob schon Bewerbungen eingegangen seien und wie das weitere Vorgehen sei. Die Antwort des Maklers ist so unpräzise, dass ich mich nicht traue, nachzufragen. Immerhin liegt es in seiner Hand, ob ein Nachmieter akzeptiert wird oder nicht. Er schreibt, dass er die vollständigen Unterlagen weitergebe und dann nach zwei Tagen eine Rückmeldung erwarte. Na, mal sehen.

Die Kündigungsbestätigung Vol. 2

Später erhalte ich einen Anruf von unserer Hausverwaltung. Nicht zu fassen. Unsere Ansprechpartnerin war tatsächlich im Urlaub und macht jetzt die Kündigungsbestätigung fertig. Am nächsten Tag halte ich die Kündigungsbestätigung tatsächlich in den Händen.

Nun fehlt nur noch der Nachmieter und der Umzugstermin und wir können anfangen, genauer zu planen.

Der Umzugstermin

Ich frage bei den aktuellen Mietern unserer neuen Wohnung nach, wie es mit dem Umzugstermin aussehe. Wir wollen den Umzug von einem Unternehmen durchführen lassen, da wir es keinem unserer Freunde zumuten wollen, Möbel und Kartons in den 5. Stock zu schleppen. Daher brauchen wir möglichst schnell einen konkreten Termin. Ich schaue mir die bisher ausgetauschten Nachrichten an und sehe, dass die aktuelle Mieterin geschrieben hat, dass die beiden den Nachmieter spätestens zum 01. September suchen. Für die neue Wohnung erhalten sie den Schlüssel jedoch erst am 1. September, der Umzug ist dementsprechend später geplant. Somit ist der 01.09. nicht zu halten. Offiziell läuft ihr Mietvertrag sowieso noch bis zum 31. September. Ich wundere mich, warum man dann so früh einen Nachmieter sucht. Für unseren Umzugstermin einigen uns auf den 15.09. Das heißt für uns leider: 15 Tage länger im Wedding. Die beiden klären nun mit der Hausverwaltung die Zahlung der Miete für den verbleibenden halben September; ich buche das Umzugsunternehmen und beantrage Sonderurlaub sowie den Nachsendeauftrag.

Ringen um die Nachmieter

Tanz mit den Vampiren

Bevor das Pärchen, das als Nachmieter in unsere Wohnung einziehen wird, den Mietvertrag unterschreibt, wollen die beiden die Wohnung nochmal sehen – und den Keller. Wir laden sie ein und beantworten alle Frage zum Lichteinfall in die Wohnung. Nachdem sie sich zum dritten Mal erkundigt haben, ob die Sonne wirklich erst abends in die Wohnung scheint, fange ich an, mich zu wundern. Dann geht es in den Keller, der anerkennend als geräumig bezeichnet wird. Als die beiden weg sind, fragen wir uns, ob sie vielleicht Vampire sind, die ihre Särge in den Keller stellen wollen. Bereits bei der ersten Besichtigung hatte gerade dieses Pärchen immer wieder nach dem Lichteinfall gefragt. Irgendwann wussten wir nicht mehr, was wir antworten sollten bzw. was die beiden hören wollten. Egal. Sie versichern uns, dass sie den Mietvertrag unterschreiben werden.

Die Vorbesichtigung: Weißen - ja oder nein?

Der Makler und eine Frau von der Hausverwaltung schauen sich unsere Wohnung an. Da wir seit über fünf Jahre darin wohnen, wird das Streichen aller Räume verlangt. Einen Wohnungsschlüssel haben wir verloren; das wird uns circa 250 Euro kosten. Wir sprechen den Übergabetermin an. Eigentlich wäre uns eine Übergabe am Wochenende am liebsten, aber da arbeitet die Hausverwaltung nicht. Also legen wir ihn auf einen Montag während unserer Mittagspause.

Anfang August haben unsere Nachmieter den Mietvertrag immer noch nicht unterschrieben und wir bekommen Angst: Was machen wir, wenn die Vampire doch nicht unterschreiben? Doppelt Miete zu zahlen wäre für uns eine riesige finanzielle Belastung.

Endlich steht alles fest

Per Telefon erhalten wir wenige Tage später die frohe Botschaft: Die Nachmieter haben den Mietvertrag unterschrieben. Nun können wir es kaum noch abwarten, Sachen zu packen und setzen uns eine Startfrist: Einen Monat vor dem Umzugstermin wollen wir anfangen.

Packen wie die Weltmeister

Wieviele Kisten brauchen wir und woher bekommen wir die?

Laut einem Online-Umzugskarton-Rechner benötigen wir rund 50 Kartons. Da wir noch ein paar Kisten im Keller haben und solche Rechner bestimmt nicht die Wahrheit sagen, entscheiden wir uns, bei Box at Work 30 stabile Umzugskartons zu mieten.

Transportvolumen minimieren durch Ausmisten

Bevor wir mit dem Packen anfangen, misten wir ordentlich aus. Was man über die Jahre alles so mit sich herumschleppt, ist unglaublich: Von unbedeutenden Zetteln über Anziehsachen, die man eh nicht mehr trägt bis hin zu Deko, die mehr als angestaubt ist, ist alles dabei.

Wie man Kartons richtig packt

Wie geplant beginnen wir vier Wochen vor dem Umzugstermin mit dem Packen. Am Anfang geht alles ziemlich schnell. Die Kartons stapeln sich und die Wohnung leert sich. Wie man richtig packt? Die Kartons sollten nicht bis oben hin voll sein und maximal 20 Kilo wiegen. Schweres kommt logischerweise nach unten, Leichtes nach oben. Zerbrechliches wickeln wir in Luftpolsterfolie ein und jeder Karton wird mit den mitgelieferten Aufklebern beschriftet. Trotz der anfänglichen Ordnung fängt man jedoch irgendwann an, die verbleibenden Dinge wahllos in die noch offenen Kisten zu werfen und die Bettwäsche landet neben den Kochtöpfen.

Natürlich reichen die Kartons nicht

Immer wenn ich denke, ach nur noch das, fülle ich mal eben fünf Kartons. Vor allem die Küche ist erbarmungslos und will einfach nicht leerer werden. Am Ende müssen wir natürlich, wer hätte es anders gedacht, Kartons nachkaufen. Wir bauen den Kleiderschrank und das Bett ab und schlafen mit der Matratze auf dem Boden. Die Wohnung fühlt sich einerseits nicht mehr heimisch an und doch irgendwie nach Zuhause. Die Abschiedsparty findet in kleinem Rahmen statt. Wir zählen die Tage...

Die letzten Handgriffe

Am Morgen der Wohnungsübergabe schaffe ich unsere Pflanzen ins Auto und fahre damit zur Arbeit. Dort fällt mir dann ein, dass ich vergessen habe, den Kühlschrank abzutauen und fahre entnervt zurück. Die Handtücher sind natürlich alle schon in den Kisten verstaut. Um nicht am letzten Tag in der Wohnung noch einen Wasserschaden zu riskieren, durchwühle ich die Umzugskisten, bis ich die Handtücher finde. Dann geht es zurück ins Büro. So ein Stress, ich will einfach nur noch umziehen.

Der Übergabetermin

Nach der Arbeit steht der Übergabetermin für die neue Wohnung an. Mit den Pflanzen im Gepäck fahre ich nach Steglitz. Die bisherigen Mieter zeigen uns alles und geben Tipps zur Heizungsnutzung. Der Makler, der an der Übergabe teilnehmen sollte, glänzt durch Abwesenheit. Nach 15 Minuten rufen wir das Maklerbüro an. Dort erklärt man uns, dass es mit den Maklern nie feste Termine gebe, sondern nur Zeitfenster. Der Makler habe also noch 30 Minuten Zeit, um pünktlich zu sein. Ich weise darauf hin, dass wir bei der Terminabsprache nicht auf diese Zeitfenster-Planung hingewiesen worden seien. Die Frau blockt ab und meint, der Makler sei auf dem Weg. Nach weiteren 10 Minuten beschließen wir, schon mal die Pflanzen hoch zu tragen.

Ein lebendes Klischee

Als wir das Haus verlassen, fährt ein glänzender Luxusschlitten vor, aus dem ein geschniegelter Anzugsträger aussteigt. Ich bin mir sicher, dass das der Makler ist und die Vorahnung bestätigt sich. Von den Lackschuhen über die gegelten Haare bis hin zum schlechten Humor entspricht er dem schmierigen Klischee. Ganze zehn Sekunden nimmt er sich für die Besichtigung Zeit und schreibt schließlich ins Protokoll: Alles schick. Wir weisen auf einen Makel hin und er verspricht, sich sofort darum zu kümmern. Weiterhin wird festgehalten, dass der Gasherd nicht zur Mietsache gehört. Alle Parteien unterschreiben und fertig sind wir. Unsere Freunde sagen noch „Tschüss Wohnung“ und überlassen uns unserem neuen, noch leerem Heim.

Kisten, Kampf und Küchen

Wir ziehen um – jetzt wirklich

Ich kann es kaum glauben, dass sich der nicht enden wollende Countdown tatsächlich runter auf die Null gequält hat. Wir haben alle Lampen und Vorhänge abgebaut, alles eingepackt, die Sicherungen ausgeschaltet und sind ready to go.

Schleppen - treppauf und treppab

Um Punkt acht Uhr morgens fahren die Umzugshelfer vor. Ein LKW und drei Mann. Innerhalb von ein paar Stunden ist unsere Wohnung leer. Währenddessen putze ich schon mal die Fenster, auch wenn ich das laut Rechtsprechung eigentlich nicht machen muss. Dass wir Schubladen und Schranktüren mit Paketband zugeklebt haben, war laut den Umzugshelfern keine gute Idee. Später am Tag werde ich feststellen, dass Paketklebeband wirklich gemeine Spuren auf den Möbeln hinterlässt.

Gegen Mittag sind wir auf dem Weg zur neuen Wohnung. Ein Umzugshelfer stöhnt, warum wir denn unbedingt in den fünften Stock ohne Fahrstuhl ziehen mussten. Als ich ihm dann die Wohnung zeige und er auf dem Balkon steht, nickt er anerkennend und lenkt ein, dass es wirklich schön da ist. Das Hochtragen gestaltet sich nicht so einfach wie das Ausräumen der alten Wohnung. Die Jungs müssen häufiger Pausen einlegen und sind erst gegen 17 Uhr fertig. Und zwar so richtig. Da hilft wohl auch noch so viel Übung nichts; 5 Stockwerke zig mal mit Gewicht hoch und runter laufen ist einfach anstrengend.

Der erste Abend in der neuen Wohnung

Ich bezahle die Umzugsfirma in bar (again: in bar?!) und dann sind wir zum ersten Mal alleine in der Wohnung. Krass. Hier leben wir jetzt? Ich kann es kaum fassen. Eifrig fangen wir an, die Kartons in die richtigen Zimmer zu räumen und ein paar Sachen auszupacken. Am Abend bringen wir noch die Lampen an und wundern uns, warum das eigentlich kein Elektriker machen muss. Den kompletten nächsten Tag räumen und wirbeln wir in der Wohnung. Jedes Mal, wenn wir uns kurz hinsetzen, springen wir sofort wieder auf und räumen weiter aus und auf. Es ist verrückt, aber man kann einfach nicht still sitzen. Und abends ist es tatsächlich schon ein wenig wohnlicher. Nur eine Küche haben wir nicht.

...die grünen Kisten werden abgeholt

Am nächsten Morgen werden die Kisten von Box at Work abgeholt. Wir haben es tatsächlich geschafft, innerhalb von nur einem Tag genug Regale und Schränke aufzubauen, um 40 Boxen auszuräumen. Jetzt stehen nur noch 10 Pappkartons in der Küche. Da wir viele Bilderrahmen besitzen, wie die Umzugsfirma monierte, war die Wahrscheinlichkeit trotz guter Verpackung sehr hoch, dass der eine oder andere kaputt geht. Genauso ist es natürlich auch gekommen. Wir melden den Schaden sofort und erhalten den Kaufpreis erstattet.

Die alte Wohnung: Wohnungsübergabe

Wir renovieren - oder so

Am nächsten Tag geht es in die alte Wohnung zum Streichen. Streichutensilien inkl. eines halben Farbeimers haben wir von einem Kumpel bekommen. Wir sind hoch motiviert und stellen nach kürzester Zeit fest, dass unsere Farbe die gleiche Farbe wie darunter ist. Ein Schelm wer Böses dabei denkt.

Nachdem wir die Wohnung fertig gestrichen haben, sind wir ganz schön alle. So ein Umzug schlaucht enorm. Man steht und macht und tut die ganze Zeit non stop. Am darauffolgenden Tag fahren wir erneut in die alte Wohnung, um zu schauen, ob alles gut gedeckt hat. An manchen Stellen streichen wir nach und wetten miteinander, ob unsere Wohnung so abgenommen wird. Ich kann es mir kaum vorstellen.

Die Wohnungabnahme

Am nächsten Tag findet die Wohnungsabnahme statt. Eine Frau von der Hausverwaltung und die mir von Anfang an unsympathischen Nachmieter-Vampire stehen vor der Tür. Die Hausverwalterin greift sich ihr Protokoll und einen Stift und geht Raum für Raum ab. An den kritischen Stellen beobachte ich sie ganz genau, aber in jedem Raum sagt sie nur: „Ja, ist in Ordnung.“  Ich juble innerlich. Zwischendurch höre ich die Nachmieter tuscheln. Irgendwas mit „weiß“ und „streichen“. Ich ignoriere sie und frage nur, ob auch der Klodeckel übernommen werden soll. Fun Fact: Da der Holzdeckel nicht den Allgemein-Geschmack trifft, muss der weiße Klodeckel aufbewahrt werden.

Meckerfritzen-Alarm

Das Protokoll ist fertig geschrieben und die Hausverwalterin gibt mir den Stift zur Unterschrift. Gleichzeitig fragt sie die Nachmieter, ob denn auch für sie alles in Ordnung sei. Da fangen die beiden doch tatsächlich an zu meckern, dass die Wohnung nicht ordentlich gestrichen sei. Die Hausverwalterin schüttelt den Kopf und fragt, warum sie in der halben Stunde, die die Wohnungsabgabe schon andauere, noch nichts gesagt hätten. In ihren Augen sei die Wohnung gestrichen und entspreche somit den durchschnittlichen Qualitätsanforderungen – mittlerer Art und Güte sozusagen. Ich kann es kaum fassen. Die sonst so kritische und strenge Frau steht in diesem Kampf auf meiner Seite! Die Nachmieter-Vampire beklagen, dass sie ja alles (genau, alles…) nachstreichen müssten und dass die Wände gar nicht weiß seien. Als die beiden dann auch noch anfangen, unsere Motivation und den Arbeitsaufwand in Frage zu stellen bzw. ob wir denn überhaupt gestrichen hätten, reicht es mir. Kühl gebe ich ihnen zu verstehen, dass wir das ganze Wochenende gestrichen hätten, was ja auch stimmt. Die Antwort, dass wir das nicht mit sonderlich viel Liebe getan hätten, überrascht mich dann doch. Warum genau sollte ich eine Wohnung, aus der ich ausziehe, mit Liebe streichen wollen?

Die Nachmieter fangen an, zu diskutieren, ob sie denn dann beim Auszug trotzdem renovieren müssten. Die Hausverwalterin wirft mir einen ungläubigen Blick zu und erläutert wieder und wieder, dass die Wohnung in einem renovierten Zustand ist. Dann werde ich, die das Protokoll eh schon unterschrieben hat, entlassen. Die Nachmieter grummeln und werfen mir böse Blicke zu. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht verlasse ich die Wohnung und mir wird klar: Jetzt sind wir wirklich umgezogen! Die alte Wohnung los, nur noch die neue Wohnung. Was für ein befreiendes Gefühl. Kurz überlege ich, ob ich mich bei dem rührseligen Hausmeister oder dem netten Nachbarn mit dem Hund verabschieden sollte. Dann fallen mir aber die gruseligen Nachmieter ein: ich spüre noch immer ihre mörderischen Blicke im Rücken und habe Angst, dass sie die Verfolgung aufnehmen, wenn ich noch lange warte. Also düse ich lieber schnell ab.

Projekt "Küche"

Wir laden unsere Familie ein, um die teilweise fertige Wohnung bewundern zu lassen. Nur in der Küche stehen noch diese zehn verdammten Pappkartons. Laut Erfahrungsberichten aus dem Bekanntenkreis stehen bei anderen noch Jahre später die letzten Kartons herum. Für uns ist das keine Option: Wenn wir von der Arbeit nach Hause kommen, wollen wir in einer fertigen, gemütlichen Wohnung leben und nicht ständig daran denken müssen, was noch alles gemacht werden müsste. Trotz fehlender Küche und letzter Kartons besteht die Wohnung jedoch unter den prüfenden Blicken der Familie.

Die Planung - Versuch 1

Hoch motiviert gehen wir nun das nächste Großprojekt an – die neue „Küche“. Nach langem Hin und Her beschließen wir, unser Glück in einem kleinen schwedischen Möbelhaus zu versuchen. Bevor wir uns auf den Weg machen, wird die Wand, an die wir die neue Küche stellen wollen, genau ausgemessen – mit Puffer für Therme und Rohre. Die Therme muss außerdem zwecks Wartung erreichbar sein, auch das darf nicht vergessen werden. Danach spazieren wir voller Tatendrang in besagtes Möbelhaus. Eine grobe Vorstellung davon, was wir wollen, haben wir.

Die Planung - Versuch 2

Zu grob – wie sich herausstellt. Wer schon mal eine Küche gekauft hat, weiß dass das zahlreiche Fragen aufwirft: Welches Basismodell, welche Fronten, welche Griffe? Wie viele Unter- und Oberschränke benötigen wir? Und überhaupt, wo liegt unsere maximale Zahlungsbereitschaft? Also setzen wir uns an die Computer und bauen mit einem  Tool unsere Küche nach. Ich halte mich für technikaffin und fuchse mich gerne in neue Tools rein, aber dieses Küchenbauprogramm ist einfach die Hölle. Davon abgesehen, dass es sehr langsam ist, stehen da tausend Bezeichnungen, die man nicht zuordnen kann. Woher soll man denn nun wissen, wie der Unterschrank heißt, den man sich ausgesucht hat, wenn in der Ausstellung alles anders benannt ist als im Tool. Zusätzlich klingen die schwedischen Namen ziemlich ähnlich, und dass obwohl ich mal Schwedisch gelernt habe. Kurzum: Beim ersten Versuch scheitern wir kläglich und geben entnervt auf.

Die Planung - Versuch 4

Unsere Hoffnung: Vielleicht kriegen wir es zu Hause in Ruhe ohne Menschenmassen um uns herum besser hin. Zu Hause das gleiche Dilemma. Der Schrank dreht sich immer zur Mitte des Raumes und nicht zur Wand. Die Spüle meint, dass sie dort nicht stehen dürfte, weil es Probleme mit der Wand gibt. Lauter Fehlermeldungen, von denen ich nur einen Bruchteil verstehe.

Die Planung - Versuch 5

Beim zweiten Besuch im Möbelhaus wollen wir durchhalten. Wir lassen uns tapfer eine Wartemarke geben und setzen uns erneut ans Programm. Ich frage mich, wie wir, zwei technikaffine Menschen, die im Online-Marketing arbeiten und ständig mit neuen Tools umzugehen lernen müssen, an dieser Software scheitern können. Wie machen das denn andere Leute? Sei’s drum, diesmal beißen wir uns durch. Auch wenn der Geschirrspüler immer noch die Wand anguckt und die Software immer noch langsam ist und Fehlermeldungen ausspuckt, die wir nicht verstehen, warten wir geduldig, bis unsere Wartenummer auftaucht. Dann kümmert sich eine aufgeschlossene, junge Frau um uns. Sie scherzt und lacht und erklärt uns, dass sie selbst auch einen Monat gebraucht hat, um das Tool vollständig zu beherrschen – die meisten ihrer Kollegen sogar noch länger. Sie nutzt Tastenkombinationen und Mausklicks auf Flächen, die mir niemals als Buttons aufgefallen wären. Sie schiebt hin und her und schließlich haben wir dann da unsere Küche vor Augen. Hoffentlich.

Da wir ein Induktionskochfeld haben wollen, reicht die Dicke der Arbeitsplatte nicht aus. Aber dann irgendwie doch, wenn wir den Herd tiefer setzen. Wir nicken völlig resigniert und würden der Frau jetzt alles abkaufen. Die Lieferung kostet, egal ob erster, fünfter oder 17. Stock, immer den gleichen Preis. Wir sind überrascht und kaufen. An diesem Tag müssen wir nur die Lieferung zahlen. Die Küche selbst zahlt man bei Lieferung in bar. Natürlich. Eine echte Hürde, dass man beim Umzug ständig so viel Bargeld benötigt. Vor allem weil die meisten Konten über eine maximale Auszahlungsgrenze von 500 Euro pro Tag verfügen. Egal. Wir haben eine Küche gekauft!

Worum man sich nach dem Umzug noch alles kümmern muss

Die Ummeldung im Bürgeramt

Den Termin zur Ummeldung beim Bürgeramt haben wir schon vor langer Zeit ausgemacht. Am besagten Tag muss ich aber auf eine Messe und kann den Termin daher nicht wahrnehmen. Ich fülle den Ummelde-Antrag aus, damit mein Freund das Ganze für mich übernehmen kann. Dabei stelle ich fest, dass mein Personalausweis abgelaufen ist. Ich erinnere mich dunkel: Vor einiger Zeit hatte ich einen neuen Personalausweis beantragt, aber nie einen Abholbescheid bekommen. In dem ganzen Umzugsstress habe ich den Ausweis dann einfach vergessen. Völlig entmutigt halte ich beim Ausfüllen der Ummeldung inne. Hat ja eh keinen Sinn. Als mir Benny dann am Abend berichtet, dass die Dame beim Bürgeramt mich gerne mit umgemeldet hätte, meine Unterschrift aber fehlte, ärgere ich mich dann doch. Weiterhin, so die Bürgeramtsfrau, stehe mein Personalausweis schon seit mehreren Wochen zur Abholung bereit. Ich könnte heulen. Nicht nur, dass der nächste freie Termin irgendwann in 4 Monaten ist, ich hätte alles schon fertig haben können!

Am nächsten Morgen gehe ich zumindest schon mal  ins Bürgeramt und hole meinen Personalausweis ab. Netterweise werde ich auch direkt umgemeldet und erhalte meinen neuen Ausweis mit Aufkleber der neuen Adresse. Unglaublich. Neben der Ummeldung bei der Bank, der Krankenkasse und dem Finanzamt teile ich die neue Adresse auch meinem Arbeitgeber mit. Des Weiteren muss die Hausratversicherung angepasst werden.

Der Küchenaufbau – Vom Profi oder selbst?

... natürlich selbst!

Der Profi-Aufbau einer Küche wäre sicherlich unkomplizierter, aber auch ganz schön teuer. Daher entscheiden wir uns für den Selbstaufbau, vor allem, weil man dann eine ganze andere Verbindung zur Küche hat.

Erschwerte Bedingungen - Fieber

Ein einzelner, armer Mensch schleppt uns am Tag der Lieferung die komplette Küche nach oben. Wir bezahlen und fangen an, die einzelnen Teile zu sortieren. Nach dem ersten Unterschrank sind wir noch vollen Mutes, dass alles schnell voran geht. Zeitlich perfekt abgepasst, kriegt Benny Fieber und wir kommen nun doch nicht mehr so schnell voran. Nachmittags kommt ein Bekannter vorbei und schneidet  uns die Arbeitsplatte zurecht. Am nächsten Morgen bauen wir weiter und der untere Teil der Küche sieht schon ganz gut aus. Nun müssen die Griffe angebracht werden. Dazu bohrt man in die schöne Front zwei Löcher pro Griff. Ich habe Angst, dass wir uns vermessen, was natürlich trotz mehrfachen Nachmessens passiert. Mit ein wenig Trickserei ist aber auch das zu retten.

Erschwerte Bedingungen - da fehlt doch was

Schließlich stellen wir fest: Uns fehlen zwei Türen, die bei der Lieferung anscheinend vergessen wurden. Nachdem ich 45 Minuten in der Warteschleife der Hotline vom Schwedischen Möbelhaus gehangen habe, wird mir erklärt, man könne mir die Türen zuschicken, das würde 3 Wochen dauern. Alternativ könne ich sie selbst im Möbelhaus abholen, das gehe, je nach Aufkommen und Wartezeit schneller. Wir begeben uns also noch einmal dorthin und ziehen eine Wartenummer. Während wir warten, hören wir zu, wie jemand beschwört, bei seinem Sofa wären alle Einzelteile ohne Bezug geliefert worden. Als wir nach kurzer Wartezeit an der Reihe sind, werden uns die Türen jedoch problemlos ausgehändigt.

Erschwerte Bedingungen - Wand aus Sand

Die Küche nimmt Gestalt an: Die Unterschränke stehen bereits. Das Spülbecken ist jedoch noch nicht angeschlossen, weil das Kabel zu kurz ist und der Herd wartet auf seinen Anschluss, den ein guter Freund kurz darauf übernimmt. Also alles schick, nur die Oberschränke fehlen noch. Als wir diese fertig aufgebaut haben und die Leiste, an der die Schränke hängen sollen, auf die richtige Größe zugeschnitten hatten, fangen wir an, Löcher zu bohren. Direkt beim ersten Loch stellen wir fest, dass ein Teil der Wand nur aus Sand besteht. Glücklicherweise nur ein Teil. Am anderen Teil können wir die Schränke ohne Probleme aufhängen. Dadurch haben wir aber nun einen Oberschrank übrig, den wir auf den Boden stellen müssen. Die nachgekauften Füße passen – Überraschung – nicht an die Bodenseite,  mit einem kleinen Hack dann aber doch.

Die letzten Handgriffe

Deutsche Bürokratie

Der Einbau der Dunstabzugshaube ist uns am Ende tatsächlich gelungen, auch wenn wir beim Durchblättern der 40-seitigen Anleitung schon fast verzweifelt wären. Da wir unseren Herd etwas tiefer gesetzt haben, müssen wir die Abdeckplatte zurechtschneiden lassen. Ab zum Baumarkt, wo uns an der Information freundlich der Weg zur Tischlerei gewiesen wird. Dort angekommen wird uns erklärt, dass die Tischlerei für Schneidearbeiten unter 10 Zentimeter nicht versichert sei. Ich muss lachen, aber klar: auch dafür muss es Regeln geben.

Der Klügere gibt nach - oder auch nicht...

An einem verkaufsoffenen Sonntag müssen wir nochmals ins schwedische Möbelhaus, um ein paar Sachen nachzukaufen. Wir hetzen durch die Gänge und ärgern uns über die endlosen Schlangen an der Kasse. Kurz bevor wir dran sind, drängelt sich ein Schlaumeier vor, der „nur“ sechs Tassen kaufen will, und meint, dass ihn die Schlange daher nicht betrifft. Als ein Angestellter dem Mann schon fast Recht geben will, stürmen wir gleichzeitig mit dem vor uns anstehenden Pärchen nach vorne und beschweren uns. Mit Erfolg! Der Mann muss ans Ende der Schlange, wie alle.

Mission accomplished mit Endorphinrausch

Zurück im neuen Heim können wir die Küche endlich fertigstellen und einräumen. Voller Stolz schicke ich jedem, dem ich schon mal von der Küche erzählt habe, ein Bild zu. Was für ein erhabenes Gefühl! Diese Küche haben komplett wir aufgebaut! Das gleiche Gefühl stellt sich auch bei den Gardienen ein, die ich tatsächlich geschafft habe, zu kürzen und Schlaufen dran zu nähen.

Unsere Wohnung ist fertig! Alle alten und neuen Bilder sind aufgehängt, die Möbel an Ort und Stelle und auch die Küche ist endlich fertig. Die alten Papier-Umzugskartons müssen noch abgegeben werden, aber das war’s!

Happy End und Fazit

Insgesamt gesehen ging der Umzug wirklich schnell von statten: Innerhalb von knapp acht Wochen. Drei Wochen haben wir mit Packen, Einräumen und Ausmisten verbracht. Der Umzug war dank Umzugsunternehmen problemlos und der Aufbau und das Ausräumen der Sachen haben wir schnell erledigt. Nur die Küche war echt nochmal eine Herausforderung.

Der Umzug hat uns als Paar zusammen geschweißt, auch weil die Umzugszeit stressig ist und manch ein Wort zum Streit führt, was unter normalen Umständen nicht der Fall gewesen wäre. So dünnhäutig ich während dieser Zeit auch war, ich bin sehr stolz darauf, dass wir das alles so gut und schnell hinbekommen haben. Und ab jetzt wird gewohnt!

 

Von Orlando Mittmann | Letzte Aktualisierung: 23. Oktober 2015

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